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Berufung Sport oder Plan B
Foto: Felix Kleymann

Berufung Sport oder Plan B

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Antonia Weiss

Für Lilith (17) und Liam (19) ist der Kanusport mindestens das halbe Leben und deutlich mehr als ein Hobby. Liam hat sich trotz großer Erfolge gegen den Leistungssport entschieden. Auch Lilith hat einen Plan B.

Im Castroper Turnverein direkt am Rhein-Herne-Kanal fing für Lilith (17) und Liam (19) Bach die große Leidenschaft fürs Paddeln an. Sieben und neun Jahre alt waren sie damals. Erst wagten sie den Schritt ins Wildwasserboot, ein paar Jahre später kamen sie zum Kanurennsport. Und hier sollte es für die beiden richtig erfolgreich werden. Aus anfänglichem „just for fun“ wurde das Paddeln im Kanu zunehmend leistungsorientierter. Liam ging als großer Bruder immer voran und begeisterte seine Schwester zunehmend für Wettbewerbe.

Die ersten großen Erfolge

Mit 14 Jahren ging es für Liam nach Essen aufs Sportinternat, Lilith folgte zwei Jahre später. Training gab es hier teilweise schon vor dem Unterricht und am Wochenende, fünf Tage Schule und Sport im Wechsel. Liam holte drei Jahre später den dritten Platz der Deutschen Meisterschaft und qualifizierte sich damit für die „Olympic Hopes Regatta“, womit er zum ersten Mal international für Deutschland starten konnte. Lilith wurde 2024 in Brandenburg deutsche Meisterin im 2er-Kajak über 200 Meter und 2025 deutsche Vizemeisterin im 4er-Kajak.

Hinter ihren Erfolgen steckt viel Training – echte harte Arbeit. Denn mit dem Paddeln allein ist es nicht getan: Zum Training gehören auch Kraftsport, Laufen und Fahrradfahren. Teilweise bis zu 20 Stunden Training waren es in manchen Wochen. Aber genau das ist es, was beide so lieben: Die Vielseitigkeit und Intensität, die der Kanurennsport mit sich bringt. Und dann auch belohnt zu werden.

Liam verliert die Lust am Leistungssport

Lilith ist weiterhin ehrgeizig am Paddel, immer noch auf dem Sportinternat und will sich dieses Jahr für die nächste Europameisterschaft qualifizieren. Liam hat mit dem Leistungssport aufgehört und sich für eine Karriere bei der Marine entschieden. Als Teenager wollte er mal zur Sport-Kompanie. Arbeitgeber wie die Bundeswehr oder die Polizei fördern Sportler dort leistungsmäßig. Am Ende wurde es doch „nur“ die normale Bundeswehr. Denn ein Jahr nach dem großen sportlichen Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft zwang ihn die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber zu einer Pause. Eine schwere Zeit für den jungen Sportler.

Foto: Felix Kleymann

Jetzt verbringt er seine Woche an der Ostsee-Küste und kommt am Wochenende nach Hause, um Kindern zu trainieren – und seine Schwester. Seine Entscheidung bereut er bis heute nicht. Auch Lilith hat einen Plan B. Sie möchte entweder zur Polizei, Feuerwehr oder Grundschullehrerin werden. Vom Leistungssport leben ist im Kanurennsport sowieso schwierig. Die Qualifikation für die EM stellt sie aktuell vor gesundheitliche Herausforderungen: Die Schulter macht immer wieder Probleme. Und auch Aufregung ist für die 17-Jährige ein Thema. Hier hilft ihr eine Mentaltrainerin dabei, besser mit ihrer Wettbewerbs-Nervosität zurecht zu kommen.

Liam ist Liliths erster Ansprechpartner

Ihren Freundeskreis haben beide nach wie vor im Kanurennsport, Liam hat bei der Bundeswehr auch neue Leute gefunden. Ihre enge Beziehung ist geblieben. „Liam ist mein großes Vorbild“, sagt Lilith. Er ist nach wie vor ihr Ansprechpartner Nummer Eins, lässt sich von ihm trainieren und holt sich Tipps ab. Auch wenn sie sich da mal „inne Köppe“ kriegen – Geschwister eben. Das Training gibt auch Liam viel, und ab und zu nimmt er auch noch selbst das Paddel in die Hand. „Ich wäre ohne Sport nicht ausgelastet, ich hätte viel zu viel Energie“, sagt er lachend. Die ganze Familie Bach ist im Verein, auch Mutter Denise und der kleine Bruder paddeln. Sie alle verbindet der gemeinsame Sport und der gegenseitige Support.

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