Die Zukunft der Arbeit ist in manchen Castrop-Rauxeler Unternehmen heute schon Realität. Das sieht man nicht nur an ihren Produkten; auch die Arbeitsweise von Firmen wie WK Engineering oder Opti-Run ist zukunftsweisend.
Das Castrop-Rauxeler Ingenieurbüro mit angeschlossener Prototypenfertigung stellt Komponenten für die neuesten Weltraumteleskope auf der ganzen Welt her, darunter die 35m-Deep Space-Antenne der ESA (Europäische Weltraumbehörde) in Australien. Tobias Will, Geschäftsführer von WK Engineering, präsentiert am Bildschirm ein detailliertes 3D-Modell eines solchen Teleskops. Jedes der teilweise mehreren Hundert Einzelteile lässt sich am Rechner heranzoomen und modifizieren. Die Daten wandern teilweise direkt in die benachbarte Produktion.
Deren Herz bildet das eigene CNC-Bearbeitungszentrum mit 7-Achsen und 60 verschiedenen Werkzeugen, das Bauteile von allen Seiten bearbeiten kann, ohne sie zwischendurch neu einspannen zu müssen. „Das ermöglicht höchste Präzision“, so Will. Etwa die Verbindungsstücke für die komplexen Trägergerüste der Teleskope würden hier produziert, bei denen kein Teil und kein Winkel dem anderen gleiche, wie Will erläutert.
Jedoch nicht alle Komponenten können hier gefertigt werden. WK Engineering arbeite im Auftrag des Wiesbadener Partnerunternehmens „mtex antenna technology gmbh“. „Wir erstellen alle fertigungsrelevanten Daten wie Konstruktionen, Zeichnungen und Dokumentation und präsentieren die Produkte von Beginn an mit. Wir begleiten den kompletten Prozess über die Fertigung bis hin zu Teilabnahmen im Werk und Gesamtsystem-Abnahmen auf den Baustellen.“
VR revolutioniert Arbeit
Die stark arbeitsteilige Organisation teils über den gesamten Globus wäre dabei ohne modernste Kommunikationswege nur schwer vorstellbar. So nutzt das Unternehmen beispielsweise VR-Brillen, um mit Kunden und Projektpartnern virtuell durch die zu bauenden Anlagen gehen können. „Wir sind mit 64 Leuten, verteilt über die ganze Welt, durch die große ESA-Antenne gelaufen. Als Tool dafür nutzen wir ‚weAre-Rooms‘, ein deutsches Start-up. Die Fortschritte in diesem Bereich waren in den vergangenen Jahren enorm“, so Will – auch preislich. Kostete noch vor eine paar Jahren eine entsprechende VR-Brille 1.000 Euro, so sei die aktuelle Generation schon ab einem Stückpreis von 300 Euro zu haben und technisch deutlich weiterentwickelt.
Papier sucht man in den Räumen der Firma nahezu vergeblich. Personal, Ressourcen, Kapital, Betriebsmittel, Material sowie Informations- und Kommunikationstechnik – alles laufe über eine moderne Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Soft ware. „Früher hat man von jeder Metallplatte händisch eine Zeichnung gefertigt“, erinnert sich Will. Das kostete Zeit, und die Zeichnungen waren für Partnerunternehmen manchmal unbrauchbar, weil die mit anderen Sicherheitsabständen arbeiteten. „Heute lässt sich alles am Rechner mit ein paar Tastatureingaben sekundenschnell ändern.“
KI übernimmt Rolle bei Opti-Run
Die Zukunft der Arbeit ist auch in einem anderen Castrop-Rauxeler Unternehmen bereits Realität: beim Verpackungshersteller Opti-Run. Neben einer ERP-Software, in der auch Mitarbeiter Meldungen zu Warenein- und ausgang, Produktion oder Werkstatt generieren und auch erforderliches Bild- und Videomaterial hinzufügen können, erhält auch künstliche Intelligenz zunehmend Einfluss auf die Prozesse. Diese wertet Videomaterial der maschinellen Produktion, etwa der Faltklebemaschine, aus und erkennt selbstständig Abweichungen von den Sollmaßen.
Eine weitere KI-Anwendung testet das Unternehmen gerade:
eine App zur Echtzeitübersetzung. Mit Headsets und Übersetzungs-KI ausgestattet, können Mitarbeiter auch mit Defiziten in Deutsch oder Englisch miteinander kommunizieren, so das Ziel. Ein Tool, das angesichts des Fachkräftemangels und kulturell diverser Mitarbeiterschaft eine wichtige Rolle einnehmen könnte.
Die Wirtschaftsförderung hilft
Opti-Run und WK Engineering sind sicherlich Pioniere auf ihrem Gebiet. Die Castrop-Rauxeler Wirtschaftsförderung hat sich zum Ziel gesetzt, alle Unternehmen zu unterstützen, die sich ebenfalls smarter aufstellen möchten – angefangen von kleinen Digitalisierungsprojekten bis hin zur digitalen Transformation der Produktion oder des Geschäftsmodells. „Insbesondere für unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen möchte die Wirtschaftsförderung durch Wissensvermittlung und Vernetzung, innovative Ansätze und Synergien aufzeigen, um gemeinsam schneller und erfolgreicher an der Entwicklung und Nutzung smarter Technologien zu partizipieren“, heißt es.
Ein Angebot ist die Veranstaltungsreihe „Smarte Wirtschaft“, die sich explizit vor allem an Anwenderunternehmen richtet. „Hier stellen wir beispielhafte Projekte und Prozesse vor, lassen Experten zu Wort kommen und vernetzen Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen themenspezifisch miteinander“, erklärt Wirtschaftsförderer Daniel Spitzenberger. „Ob KI, IT-Sicherheit, vernetzte Produktion, Predictive Maintenance oder IoT – mit einem überregionalen Netzwerk aus Partnern wie dem EDIH-DO European Digital Innovation Hub Dortmund, dem Zukunftszentrum KI NRW, dem Fraunhofer IAIS, dem Institut für Internet-Sicherheit – if(is) der Westfälischen Hochschule sowie dem eurobits e.V. bereichern und ergänzen wir unsere ortsansässige Kompetenz durch stetigen Wissenstransfer.“
Ein weitertes Austauschformat speziell für die IT-Branche ist das Format „CAS IT-Meetup“. Interessenten können sich mit einer kurzen formlosen Mail in den Einladungsverteiler aufnehmen lassen. Denn auch darin scheint ein Zukunftstrend der Arbeit zu liegen: Arbeitsteilung, Spezialisierung und Kooperation. Tobias Will: „Man kann nicht alles können. Man muss spezialisierte Partner haben, denen man vertraut.