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Mauern für die Ewigkeit?
Alle Fotos: Pöhnert

Mauern für die Ewigkeit?

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Jakob Surkemper

Wie ein Mahnmal der Vergangenheit prägt der Bunker in der Lönsstraße das Castroper Stadtbild. Wir durften hinter die meterdicke Fassade blicken.

Mit einer Kapazität von bis zu 2.300 Personen gilt er als einer der größten noch erhaltenen Bunker der Region. Gerade mal ein gutes Jahr bot das „Bauwerk 4“ zum Ende des Zweiten Weltkrieges den Castropern Schutz vor Bombenangriffen. An eine spätere Nutzung erinnert heute noch der Schriftzug „B&B Möbel“ auf dem Stahlbetonkoloss. Der Gebrauchtmöbelhändler nutzte den Bunker als Verkaufs-, vor allem aber als Entsorgungsfläche, wie sich später herausstellte. Die drei Ebenen seien komplett mit Altmöbeln und Haushaltsgegenständen voll gewesen, erinnert sich ein Mitarbeiter des städtischen Immobilienmanagements, der uns die Türen zum Bunker zu öffnen darf, aber gerne anonym bleiben möchte.

Auf den ersten Metern empfangen uns Straßenabsperrungen, -schilder und Bierzeltgarnituren. Die Luft ist erstaunlich warm und trocken. Seit der Entrümpelung 2021 nutzt das Stadtmarketing einen kleinen Teil des Bunkers als Lagerfläche. Wir passieren eine alte Kutsche und einen ausgedienten Flipper. Trotz Neonröhren an den Decken müssen
wir uns den Weg mit Taschenlampen erleuchten. Die Elektroleitungen wirken zwar recht neu, aber der Strom ist abgeschaltet. Sogar Rauchmelder hängen in regelmäßigen Abständen an der Decke.

Konzept in der Schublade

Über eine Treppe geht es ein Stockwerk höher. Hier ist alles ausgeräumt, die Wände weiß gestrichen – für eine Ausstellung, erklärt der Immobilienmanager. Eine von vielen Ideen, die im Laufe der Jahrzehnte kursierten – vom Kulturbunker, über Abriss und Neubau von Discounter und Wohnungen bis hin zur Aufstockung mit selbigen. Da keine der Ideen zum Tragen kam, nahm eine städtebaulich integrierte Betrachtung des Bereiches Anfang dieses Jahrzehnts den Bunker nochmals in den Fokus. Ein 2024 vorgestelltes Konzept sieht eine gemischte Nutzung vor: Lagerräume im Erdgeschoss, Bunker-Café, Läden, Büros und eine Galerie darüber unter partieller Entfernung einer Zwischendecke. Auch integrierte das Konzept die Idee zwei geschossiger Penthouse-Wohnungen auf dem Bunkerdach. Beispiele für gelungene Umnutzungen gibt es nicht nur in Hamburg oder Düsseldorf, sondern auch in Recklinghausen, Herten und Herne. In Castrop-Rauxel fehlte bisher ein Investor bzw. eine Förderung.

Wir gehen noch eine Etage höher. Hier sind die Wände aus nacktem, grauem Beton. Es riecht ein wenig unangenehm. Hin und wieder müssen wir aufpassen, nicht auf eine Taubenleiche in unterschiedlichsten Verwesungsgraden zu treten. An einer Stelle fällt von oben etwas Licht in den Raum und die Luft wird etwas frischer. Es ist einer der drei markanten kaminartigen Aufbauten, die von außen gut sichtbar sind. Man erkennt die fast zwei Meter dicke Decke. „Der Schacht ist S-förmig, damit keine Bombensplitter eindringen konnten“, erklärt unser Bunkerführer.

Wir gehen weiter in einen Bereich, in dem ein brauner PVC-Boden, vielleicht aus den 60er-Jahren, eine fast wohnliche Anmutung erzeugt. Auf einem Lüftungsschacht kleben Aufkleber der Jungen Union; auf einem ist Franz-Josef Strauß abgebildet, bis 1988 CSU-Vorsitzender und bayrischer Ministerpräsident. Hier hätten zeitweise Obdachlose gehaust, die sich aus dem reichhaltigen Möbelangebot bedienten. In einem kleinen Raum hätte sie sich sogar eine kleine „Gastronomie“ mit Theke eingerichtet. Zu sehen ist davon nichts mehr.

Wasser- und Energiespeicher

Über ein weiteres Treppenhaus gelangen wir nach ganz unten. Hier ist die Luft feuchter. In einer Ecke sind drei Betonsockel erkennbar. „Vermutlich für Dieselgeneratoren“, sagt unser Experte. Wir passieren eine große orangefarbene Gaszentralheizung, die gar nicht mal so alt aussieht. Hier und da hängen Spinnweben wie Vorhänge von der Decke.
Irgendwann versperren mit Wasser gefüllte Löcher den weiteren Weg. „Vielleicht Zisternen für die Wasserversorgung“. Die Aufschrift „Rauchen verboten“ in dem dahinterliegenden Raum stammt vermutlich noch aus der Bauzeit des Bunkers. Der Architektenentwurf von 2024 sah hier unten Raum für Wasser- und Energiespeicher vor. „Die Nachnutzung eines Bunkers ist eine spanende architektonische Aufgabe, die im Einklang mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept stehen muss“, sagt Castrop-Rauxels Stadtentwicklerin Verena Reuter. „Es bleibt zu hoffen, dass der Bunker in Zukunft eine Nachnutzung erfahren wird.“

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