Castrop-Rauxel hat sich leise zur lauten Metalcore-Adresse entwickelt – Bands vom Sparkassen-Clubraum bis zur Festival-Mainstage.
Metal: Iron Maiden, Metallica, Motörhead – Riffs, Nieten, Leder. Metalcore: Bring Me The Horizon, Parkway Drive, Electric Callboy. Brachialer als Kutten-Metal, moderner, Shouts und Breakdowns, aber auch Pop-Hooks im Refrain.
Der Sound ist immer Biografie: Wut, Weltschmerz, Nervenzusammenbruch mit Doublebass.
Mal Horror, mal Rave, nie mustergültig, immer Gegenwart. Und ausgerechnet Castrop-Rauxel ist voll davon: Im Sparkassen-Clubraum häufen sich Metalcore-Bands aus Castrop, im Bunker an der Wartburgstraße proben Acts mit internationalen Bühnenkilometern.
Warum bündelt sich so viel Metalcore in Castrop? Fragen wir sie doch einfach selbst.
Dead in Paradise
Für Tom, Shouter von Dead in Paradise, ist die Antwort ziemlich pragmatisch: Räume.
„Für die Größe von Castrop sind hier schon sehr viele Proberäume“, sagt er. Mehrere Gebäude, viele Bands mit gleichen Interessen – ein kleines Biotop. Hier wird ausprobiert, vernetzt, voneinander gelernt. Dass hier auch Electric Callboy geprobt haben, zeigt nebenbei: Vier Wände können in Castrop ganze Karrieren lostreten.
Insta: @deadinparadise_official
Samurai Pizza Cats
„In Castrop gibt es mehr Metalcore-Bands als Ampeln“, schätzt Stefan, Bassist der Samurai Pizza Cats, die sich Stadt – und Gitarrist – mit Electric Callboy teilen. „Manchmal treffen wir beim Brötchenholen drei andere Bands, die gerade auf dem Weg zur Probe sind“, erzählt er. Hier fragt niemand: Was ist Metalcore? sondern: Wann spielt ihr wieder? Die Szene sei „nahbar, herzlich und direkt“.
Wenn du gut bist, sagen sie’s dir. Wenn du schlecht bist, hörst du es auch – aber nett. Jugendzentren, kleine Bühnen und die Vermieter der Proberäume sorgen dafür, dass überall geprobt und geschrien wird. Ein Biotop, in dem Bands wie Unkraut aus dem Asphalt schießen – nur sehr viel schöner und lauter.
Insta: @samuraipizzacats
In Shards
Für Michelle von In Shards spiegelt der Sparkassen-Clubraum ziemlich gut wider, wie sich Castrop anfühlt: klein auf der Karte, groß im Core. Im Bunker an der Wartburgstraße probt man quasi nebeneinander, hilft sich aus. Metalcore funktioniert hier nur, wenn man ihn authentisch lebt – und das geht gut, lacht sie: „Ruhrpott-Grauton, Schichtdienst, bisschen Trostlosigkeit – der perfekte Dünger für harte Musik.“
Insta: @in.shards
Breakwaters
„Es gibt schon deutliche Hinweise“, sagt Malte, Gitarrist bei Breakwaters, „dass lokale Veranstaltungen wie Steel meets Steel oder die Clubraum-Gigs der Sparkasse Vest der Szene eine Plattform bieten.“ Räume für Metal und Core würden bewusst geschaffen und gepflegt. Die Dankbarkeit sei groß – gerade durch Contests vor fremdem Publikum die eigene Musik zeigen zu dürfen.
Insta: @breakwatersband
Tears of God
Für Mirko, Shouter von Tears of God, ist Castrop vor allem eines: ein Arbeitsergebnis.
Die Szene sei durch Fleiß aufgebaut worden. Electric Callboy gelten intern nicht nur als musikalisches Vorbild, sondern als Beweis: Dass man mit einem vermeintlichen Nischen-Genre aus einer Kleinstadt auf internationale Bühnen kommen kann.
Insta: @tearsofgodofficial